Rückblick: Radeln zwischen Sturmfronten

Es gibt Touren, die allein schon wegen ihrer besonderen Umstände in Erinnerung bleiben werden. Dazu zählen auch die Rad-Tage auf der Wolfbühlhütte von 12. bis 16. Juli 2021 – jene Woche, in der über den Westen und Südosten Deutschlands eine katastrophale Flut hereinbricht. Gewaltige Regenfront ziehen auch über die Schwäbische Alb hinweg. Doch wir lassen uns nicht entmutigen – und ahnen nicht, was sich da zusammenbraut. Das Checken der Wetter-App auf dem Smartphone wird zu stündlichen Routine. Und tatsächlich gelingt es uns ganz gut, an allen Rad-Tagen die Lücken zwischen den Wolken, ja sogar die Sonne zu finden.

Die Tour beginnt mit einem sonnigen Sommertag, es geht am Alb-Rand entlang zur Ruine Reußenstein, von dort hinauf zum ehemaligen Münsinger Truppenübungsplatz, der heute Biosphärenreservat ist. Danach rollen wir das malerische Tal zum Filsursprung hinunter, unter der gigantische ICE-Trasse bei Wiesensteig hindurch bis nach Gruibingen, direkt auf die Terrasse des Cafe Kauder. Der zweite Tag beginnt kühl und düster, der Regen rauscht in Sturzbächen das Hüttendach hinunter, wir machen es uns drin gemütlich und warten ab. Am Nachmittag reißt es doch noch auf und wir schaffen die geplante Bädertour immerhin bis Bad Ditzenbach, abends lassen wir uns im Deutschen Haus bekochen.

Am dritten Tag radeln wir im Auge des Sturms zum Blautopf. Die Wetter-App zeigt bedrohliche Regenfronten, die sich Kreis um die Münsinger Alb drehen. Während wir im Sonnenschein am Blautopf sitzen, gehen kaum 50 Kilometern entfernt schwere Regenfälle nieder. 14 Kilometer vor dem Ziel erwischt uns dann doch noch ein Gewitter, aber dank E-Antrieb sind auch die letzten Steigungen kein Problem. Zum Grillabend auf der Hütte bekommen wir Besuch von weiteren SVE-lern, es wird ein langer Abend. Zum Abschluss am vierten Tag fahren wir gemütlich am Alb-Rand entlang zum Randecker Maar, nach einer Einkehr im Gasthaus klettern wir noch auf den Römerstein-Turm und lassen es noch mal richtig schön rollen auf der langen Abfahrt von Westerheim zum Bahnhöfle hinunter. Damit sind die ersten Rad-Tage auf der Wolfbühl-Hütte auch schon zu Ende. Wir hatten eine schöne Zeit und viel Glück mit dem Wetter. Wie viel Glück, das wird uns erst auf dem Heimweg beim Hören der Radionachrichten so richtig klar.

Silvia Liebrich

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