Rückblick: 24h Rad am Ring Juli 2017

Rückblick: 24h Rad am Ring Juli 2017

„Ab durch die Grüne Hölle!“

28.-30.07.2017

Eines vorweg. Rad am Ring ist ein absolutes Highlight für alle Fahrradenthusiasten! Egal ob MTB, Rennrad oder Trekking, hier treffen sich jedes Jahr Generationen von Bikern, die den Traditionskurs in der Eifel bezwingen wollen. Auch wir haben uns dieses Jahr riesig auf die Nordschleife vom Nürburgring gefreut. Mit Frank Ernst, Uwe Moeck, Peter Ragg, Peter Garnich und Wolfgang Kleisch nahmen gleich 5 Rennradler vom SVE in der Disziplin „24h Rennrad“ teil. Die beiden aufgestellten Viererteams wurden dabei um einige engagierte Radsportler aus dem Freundeskreis ergänzt, sodass wir insgesamt zu neunt (inkl. Ersatzfahrer) aufbrachen.

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Die Eifel und das Wetter… eine ganz heikle Sache! Der Wetterbericht meldete gutes aber sehr windiges Wetter. Hauptsache es blieb trocken. Um das Wochenende gemütlich zu starten sind wir schon am Freitag mit Wohnmobil und Wohnwagen angereist. Zunächst bezogen wir – wie alle rund 10.000 weiteren Teilnehmer – unsere beiden 24h-Campingparzellen, welche direkt im Grand Prix Ring lagen und ein sensationelles Renn-und Campingfeeling vermittelten. Anschließend schlenderten wir über die dortige Radmesse, um uns anschließend mit einer großen Portion Pasta zu stärken. Nach einem kurzen Plausch und gemütlichem Ausklang haben wir uns gegen 23 Uhr in den Schlafsack verkrochen. Denn allen war klar, dass die nächste Nacht weit anstrengender würde.

bericht-rad-am-ring-3Am nächsten Morgen hat uns die Sonne mit strahlend blauem Himmel geweckt. Nach einem ausgedehnten Frühstück konnten wir uns im Start-/Ziel- und Boxenbereich umschauen und uns für das Rennen vorbereiten.  Wie Peter Garnich, der vor seinem ersten Radrennen schon richtig aufgeregt war, waren auch alle anderen voll der Vorfreude. Und das trotz der Strapazen, die da vor uns lagen: Der Kurs führte 25,7 km über die Nordschleife, mit unzähligen Kurven und einem hammersteilen Anstieg über insgesamt rund 550 Höhenmeter und 18% Steigung auf die Hohe Acht.  Von dort waren es 10 km zurück in Richtung Start/Zielbereich. Das Ganze sollte in möglichst hohem aber gleichmässigen Tempo gefahren werden, um 24 Stunden durchzuhalten.

Der Start unserer beiden Startfahrer Jörg und Stefan verlief erfolgreich. Schnell bewegten sie sich auf die erste Rechtskurve und versuchten konzentriert zu bleiben, um nicht in einen Sturz verwickelt zu werden. In hohem Tempo ging es um die Grandprix Strecke und dann hinaus auf die Nordschleife. Obgleich die beiden sich vornahmen, sich nicht von dem extremen Anfangstempo mitreissen zu lassen heftete sie sich ans Hinterrad einer schnellen Gruppe. Es machte riesig Spass, mit hohem Tempo in die Fuchsröhre zu schießen, in der der Tacho bei Jörg 101,40 km/h (!) anzeigte. Das schnelle Tempo ist am Anstieg zur berüchtigten Hohen Acht aber sofort dahin.  Jeder versucht, seinen Rhythmus zu finden und den Puls zu beruhigen, der teils bei bis zu 185 lag. Rennradfahren  am Leistungslimit. Das erste Mal sind die 18% zur Hohen Acht gar nicht so steil, die Beine melden hier noch ausreichend Power. Von dort geht leicht abwärts zurück Richtung Start/Ziel.

Nach rund 50 min ist die Runde vorbei und unsere beiden Startfahrer übergeben die Flasche mit dem Transponder an die beiden nächsten. Der fliegende Wechsel klappte recht gut. Die Strategie war fest und wir wechseln bis zum späten Abend nach jeder Runde. Die erste Pause verging schnell. Ein wenig umschauen, umziehen, etwas Essen und trinken, kurz Beine hoch legen, Rennatmosphäre geniessen und schon stehe ich wieder startklar an der Strecke und übernehme die Transponderflasche von Frank. So macht die „Grüne Hölle“ Spass. Mit hohem Tempo um die Kurven und immer auf der Suche nach Windschatten in Richtung Ziel bolzen. Pech hatte das Team 1 bereits in der 2. Runde, als Frank gleich 2 Platten hatte und ins Ziel schieben musste.  Das hat das Team  20 Minuten gekostet, aber sowas kann passieren. Hauptsache wir hatten keinen Sturz, die wir leider häufig sahen. Wiederholt musste der Hubschrauber eingesetzt werden, um Verletzte zu bergen und ins Krankenhaus zu bringen. Daher galt als oberste Devise, umsichtig und nicht auf der letzten Rille zu fahren.

Mit fortschreitendem Rennverlauf am Samstag wurde der Wind immer stärker und blies uns auf dem 7 km langen Schlussstück Döttinger Höhe mit 4-5 Windstärken entgegen. Wer hier alleine im Wind stand, hatte viel Zeit und vor allem Kraft verloren. Ein absoluter Genuss war unsere sensationelle Verpflegung: verschiedene Obstkuchen, Linzer Torte, Müsli, Obst, belegte Brote, Ötztaler Kraftkugeln, Bananen, Melone und vieles mehr konnten wir zu fast jeder Tageszeit in unserem Fahrerlager zu uns nehmen.  Gleichzeitig war es auch wichtig, ausreichend Salz, Wasser sowie Elektrolyte zu sich zu nehmen, weil man sehr stark schwitzte.

In den nächsten Stunden hatten wir dank 4er-Team Zeit, die Atmosphäre zu genießen. Von Stunde zu Stunde zeigte sich jedoch die Anstrengung in den Gesichtern unserer Fahrer und der schwere Streckenabschnitt „Hohe Acht“ wurde mehr und mehr verflucht. Es war ein ständiges Auf und Ab zwischen Begeisterung und Erschöpfung. Die Zeiten wurden nachts bei allen Fahrern etwas langsamer. Besonders wichtig war, eine Mütze Schlaf in den Pausenzeiten zu erwischen.

bericht-rad-am-ring-1Nachts kreiselten wir mit LED-Beleuchtung durch die Dunkelheit auf der Strecke. Auf den geraden Abschnitten sah man zahlreiche rote Rücklichter vor sich, oben der nachtklare Sternenhimmel und angenehme Temperaturen. Trotzdem war jeder froh, als gegen 5.00 Uhr die Morgenröte einsetzte und die Lampen gegen 6.00 Uhr vom Rad genommen wurden. Die Stimmung stieg, weil jeder nur noch 1 oder 2 mal über die harte Strecke musste. Der Wind setzte noch heftiger ein als am Samstag, sodass man seinen Renner äußerst aufmerksam steuern musste und die letzten Körner verschossen wurden.

Wir vereinbarten, die letzte Runde gemeinsam mit allen Fahrern zu drehen und hatten hierbei sehr viel Spass. Nach kurzer Foto- und Getränkepause an einer der sonst links liegengelassenen Verpflegungsstationen rollten wir gemeinsam erschöpft aber glücklich ins Ziel. Unsere 4er-Teams hielten die Transponder bis zum Schluss toll in Bewegung. Es war wieder ein riesiges Erlebnis. Wir sind alle stolz auf unsere Leistungen und den Teamspirit, der von Anfang bis zum Schluss stets da war.

Nightrider Esslingen Team 1: Platz 105 von 616 Teams, 26 Runden, 667 km, 14.300 Höhenmeter

Fahrer: Uwe Moeck, Jörg Marx, Frank Schreiner, Frank Krehl

Nightrider Esslingen Team 2: Platz 222 von 616 Teams, 24 Runden, 615 km, 13.200 Höhenmeter

Fahrer: Frank Ernst, Peter Ragg, Stefan Schuster, Wolfgang Gleich – Ersatzfahrer: Peter Garnich

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